Farner blickt durch.

Wald - Regionale Wertschöpfung, Schwerpunkt Laubholz

Im Zürcher Weinland wird aus dem Wald viel Laubholz geerntet. Zuviel wertvolles Laubholz wird heute energetisch genutzt. Innovative Produkte sind in Entwicklung, um die stoffliche Nutzung von Laubholz zu verbessern.

Tage des Schweizer Holzes, Rahmenanlass Weinland
Referat Martin Farner, 15. September 2017

 

Das zürcherische Weinland ist von Natur aus ein Laubholzgebiet. 80% der Wälder sind Buchenwälder, 10% Auenwälder und 10% Eichen-Hagebuchen-Wälder. Um die Waldböden nachhaltig zu erhalten, empfiehlt der Kanton Mischwälder mit einem Laubholzanteil von ca. 60% der Fläche. Dieser Zustand ist heute weitestgehend erreicht. Klimaszenarien zeigen, dass im Zürcher Weinland bei einer Erwärmung um vier Grad bis Ende des 21. Jahrhunderts die Buchen der Eiche und anderen Laubbaumarten weichen müssen. Die Experten denken da an Baumarten wie Kastanie, Robinie, Flaumeichen, Blumeneschen, aber auch an den Essigbaum und oder den Baumhasel.

 

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Der Forstbetrieb Stammertal erzeugt aus Laubholz Qualitätsholz für Parkette, Furniere, u.a, Industrieholz, Brennholz für die Bevölkerung und Holzschnitzel. Neben den Holzerlösen bietet der Forstbetrieb Arbeits- und Ausbildungsplätze für Lernende an. Immaterielle Werte aus dem Laubholz entstehen auch für die Biodiversität, die Naturnähe oder die Erholungswirkung. Die CO2-Neutralität der Holzenergie aus Laubholz ist eine weitere, lokale Wertschöpfung. Mit einer Sägerei, drei Zimmereien und mehreren Schreinereien entsteht im Stammertal bei der Weiterverarbeitung von Holz weitere Wertschöpfung aus Holz.


Wer Mischwälder bewirtschaften will, braucht attraktive Absatzkanäle für Laubholz. Der Zusammenbruch des Buchenholzpreises zwischen den Jahren 2000 und 2017 von 180 auf 80 Franken pro Kubikmeter ist dramatisch und führte dazu, dass heute etwa vier Fünftel des Laubholzes energetisch genutzt werden, also verbrannt wird. Diese Entwicklung ist nicht sinnvoll und muss gestoppt werden. Anzustreben ist ein viel höherer Anteil der stofflichen Verwertung von Laubholz, zum Beispiel im Holzbau, verbunden mit höherer Wertschöpfung. Ziel ist die kaskadische Holznutzung, zuerst stofflich und dann energetisch. Eine vermehrte stoffliche Nutzung verschafft uns überdies zwischenzeitlich Luft bei der Lösung des CO2-Problems. Verbautes Holz ist gelagertes CO2 und darum eine sogenannte CO2-Senke.


Als Baustoff für den Holzbau hat Buchenholz hervorragende Eigenschaften. Es ist doppelt so biege-, druck- und zugfest wie Nadelholz und daher geeignet für Hochleistungsbauten, wie etwa Hochhäuser aus Holz, die heute technisch gesehen keine Fantasie mehr sind. Der Holzbau mit Laubholz hat im Weinland mit dem Riegelbau lange Tradition. Viel Know-How beim Umgang mit Laubholz im Bau ist aber auch verloren gegangen. Beim Buchenkonstruktionsholz sind in der Schweiz bei der Fagus Jura SA sehr vielversprechende Produkte in Entwicklung und stehen kurz vor der industriellen Produktion. Die Firma Konrad Keller in Stammheim ist dank ihrer langjährigen Erfahrung in der Laubholzverarbeitung in der Lage aus Zürcher Buchenholz Vorfabrikate in Form von Lamellen für das künftige Leimwerk der Fagus Jura SA zu produzieren und die lokale Wertschöpfung zu verbessern.


Potential für mehr Wertschöpfung aus Buchenholz steckt aber auch in Produkten wie Green Carbon, Biokraftstoffen der zweiten Generation oder in der modernen Holzvergasung. Im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung sind wir alle gefordert, diesen Produkten zu Durchbruch zu verhelfen. Dies ganz im Sinne von Antoine de Saint-Exupéry, der sagte, die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen.


25.09.2017 | Kategorie: Veranstaltungen , Energie, Umwelt 


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