Farner blickt durch.

Privatsphäre

Mein Beitrag im Wohneigentümer des HEV Region Winterthur

Der Engländer sagt „My home is my castle“ – Mein Zuhause ist meine Burg. So sehen es wohl insbesondere die Eigenheimbesitzer. Man baut sich seine eigenen vier Wände, um ungestört zu sein. Man möchte unbeaufsichtigt sein. Keiner Kontrolle unterworfen sein. Von niemandem. Alles gut, wenn da die staatlichen Vorschriften und vor allem die  lieben Nachbarn nicht wären. 

Staatliche Gesetze sind einzuhalten, keine Frage. Und es ist Sache der Politik dafür zu sorgen, dass die Eingriffe des Staates auf das Notwendigste beschränkt sind. Da besteht Handlungsbedarf, ohne Zweifel. Doch da gibt es noch eine andere Seite. Die häufigsten Streitigkeiten, die meisten Einsprachen gegen Farbänderungen der Fassade, gegen den Anbau eines Wintergartens, die Höhe einer Hecke, den überhängenden Ast usw.usw. stammen von Nachbarn. Friedensrichterinnen und Friedensrichter, aber auch Baurekurs- und Bezirksgerichte können ein Lied davon singen. All dies hat zum Ruf nach dem Gesetzgeber geführt, der das alles regelt. Es hat zu Klagen geführt, zum Richter der entscheidet, wer was darf. Darums ist heute fast alles in alle Details geregelt. Die Frage ist, muss das sein? Sie stellt sich angesichts der technologischen Entwicklung in aller Härte erneut.

Jüngste Schlagzeilen drehen sich um private Drohnen, welche unerlaubt in den Luftraum über unseren Gärten und Häusern eindringen und gar Bilder schiessen und Filme drehen. Schon heute ist das verboten. Die wenigen von den mehr als 22‘000 in der Schweiz verkauften Drohnen überfliegen unsere Grundstücke nicht, spionieren uns nicht aus. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte ist, es gibt dennoch solche Fälle und dass es heftige und überschiessende Reaktionen auf die wenigen gibt. Neben absolut unsachlichen und gefährlichen Ratschlägen, welche in den Medien die Runden machen, befasst sich das Bundesamt für Zivilluftfahrt mit einer Verschärfung der gesetzlichen Vorschriften.

Drohnen sind rechtlich den Flugmodellen gleichgestellt. Bis zu einem Gewicht von 30 Kilogramm dürfen sie grundsätzlich ohne Bewilligung eingesetzt werden. Voraussetzung ist allerdings, dass der «Pilot» jederzeit Sichtkontakt zu seiner Drohne hat. Zudem dürfen keine Drohnen über Menschenansammlungen betrieben werden, so will es das geltende Recht.

Mein Appell: Verhalten Sie sich als Drohnenbesitzer und als Wohneigentümer korrekt. Konkret: Liebe Drohnenbesitzer, lassen Sie Ihre Drohnen nur auf freiem Feld fliegen und halten Sie Sichtkontakt zu Ihrem Fluggerät. Liebe Haus- und Gartenbesitzer, versuchen Sie beim Überflug einer Drohne über Ihr Grundstück nicht, das Gerät zum Absturz zu bringen. Weder mit Luftgewehren noch Gartenschläuchen. Sie setzen sich und andere einem grossen Risiko von sehr gefährlichen Verletzungen aus.

Weitere Verschärfungen der Gesetze und Verordnungen lassen sich grundsätzlich nur vermeiden, wenn man die Grundrechte respektiert. Dazu gehört die Privatsphäre. Wenn vereinzelte Verletzungen durch Bürgerinnen und Bürger vorkommen, gefährdet dies in unserer medialen Empörungswirtschaft genau das, was wir gerne schützen möchten, nämlich unsere Privatsphäre. Denn gesetzliche Vorschriften sind immer einschränkend – für den Schädiger wie für den Geschädigten.


31.05.2018


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