Farner blickt durch.

Strom und Wasser für das «Goldstückli»

Berichterstattung des Landboten über die Gemeindeversammlung in Oberstammheim

OBERSTAMMHEIM Der schmucke Pavillon oberhalb von Oberstammheim kann ans Strom- und Wassernetz angeschlossen werden.

Für die Einheimischen ist es das «Luschthüsli», offiziell angeschrieben ist der Pavillon auf dem Chilebückli mit «Zur frohen Aussicht». Es sei eben der Ort, wo sich frisch Verliebte treffen, wird dem Auswärtigen erklärt. Die Aussicht vom Hügel hinaus ins Stammertal ist auf alle Fälle sehr schön – Bellevue könnte der Ort also auch heissen. An der Gemeindeversammlung vom Donnerstagabend haben die 27 anwesenden Oberstammer Stimmberechtigten die Sanierung des Pavillons einstimmig gutgeheissen. Für knapp 157 000 Franken kann das Häuschen somit erstmals ans Strom-, Wasser- und Abwassernetz angeschlossen werden. Zudem wird es innen und aussen neu gestrichen. An der Gemeindeversammlung, die bloss 35 Minuten dauerte, gab es aus dem Publikum weder Fragen noch Bemerkungen.

«Keine Festhütte»
«Es wird keine Festhütte», betonte Gemeindepräsident Martin Farner. So soll der Pavillon weiterhin für kulturelle Anlässe, insbesondere der Lesegesellschaft Stammheim, reserviert sein. Der 1842 errichtete Bau sei etwas Einmaliges, «es Goldstückli», sagte Farner. Die Lesegesellschaft, der Kulturverein des Stammertals, wurde im gleichen Jahr gegründet. Seither dient der Pavillon dem Verein als Lokal für kleinere Vorträge, Lesungen oder Konzerte. Ganz in der Nähe steht die Galluskapelle, die bereits im Jahr 897 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde. Die Kapelle ist für Hochzeiten beliebt. Die Lesegesellschaft hat beim kantonalen Lotteriefonds ein Beitragsgesuch für die Sanierung des Pavillons eingereicht, der Entscheid steht aber noch aus. Eine frohe Aussicht gibt es auch in Bezug auf das Eigenkapital der Gemeinde Oberstammheim. So kann dieses dank des guten Rechnungsabschlusses 2016 um fast 520 000 Franken aufgestockt werden. Ein solcher Ertragsüberschuss sei in seiner bisherigen Amtszeit «einmalig», sagte Farner. Das «nicht alltägliche» Ergebnis hätte «noch ein paar Leute mehr verdient», sagte er im Hinblick auf die geringe Anzahl Stimmbürger an der Gemeindeversammlung.

Militär bringt Gemeinde Geld
«Das Militär leistet einen Beitrag zum guten Resultat», sagte Farner. So hat die Gemeinde Oberstammheim, die seit Jahren Militärangehörige vom Waffenplatz Frauenfeld einquartiert, damit letztes Jahr 74 000 Franken mehr eingenommen als budgetiert. «Das ist sehr erfreulich.» Auffällig sind auch die Mehreinnahmen aus Steuern früherer Jahre, nämlich fast 260 000 Franken. Wie in den meisten anderen Gemeinden gibt auch in Oberstammheim die Entwicklung bei den Ergänzungsleistungen AHV/IV zu denken. So gab die Stammertaler Gemeinde 2016 dafür rund 100 000 Franken mehr aus als gedacht. Obschon Martin Farner in der fünfköpfigen Verwaltung der Rheinauer Badi-Genossenschaft
Aquarina sitzt, hat seine Gemeinde 2016 den Beitrag an das regionale Hallenbad um 5000 auf 0 Franken gekürzt. Farners Begründung: Aus Oberstammheim gehe kaum jemand nach Rheinau ins Hallenbad, sondern nach Winterthur, Schaffhausen oder Frauenfeld.

Markus Brupbacher

 


20.05.2017 | Kategorie: Finanzen , Staatswesen, Gemeinden , Medien - Print 


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