Farner blickt durch.

Oberstammheim: Historisches Hirschen-Ensemble glänzt

Der Landbote - Nach zwei Jahren Planung und zwei Jahren Bauzeit ist gestern die renovierte Gebäudegruppe um den Gasthof Hirschen eröffnet worden. Es ist ein positives, gelungenes Beispiel für den Ortsbild- und Denkmalschutz.

Heute ist das renovierte und ausgebaute Hirschen-Ensemble in Oberstammheim feierlich ­eröffnet worden. Die historische Häusergruppe von nationaler ­Bedeutung besteht aus sechs Gebäuden, die der Zürcher Familie um Fritz Wehrli gehören.

Das Herzstück dieser Gruppe am östlichen Dorfrand von Oberstammheim bildet der Gasthof Hirschen. Das markante, denkmalgeschützte Riegelhaus wurde 2014 von einer Unterorganisation der Unesco zum historischen Hotel des Jahres ausgezeichnet. Vor Beginn der Bauarbeiten für rund 4 Millionen Franken vor gut zwei Jahren waren die fünf Nebengebäude des Hirschen in einem teils sehr schlechten bau­lichen Zustand.

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Das markante Riegelhaus des Gasthofs Hirschen in Oberstammheim bildet das Herzstück des Hirschen-Ensembles, einer Häusergruppe aus sechs Gebäuden. Bild: Nathalie Guinand

Die Planungsarbeiten für die Renovation und den Ausbau des Ensemble dauerten ebenfalls gut zwei Jahre. Zu den Geldgebern gehören vorab die Besitzerfamilie Wehrli-Schindler, die kantonale Denkmalpflege sowie Stiftungen und Privatpersonen. Durch die Renovation des Ensembles konnte der nutz- und heizbare Raum mehr als verdoppelt werden. Über 90 Prozent des Auftragsvolumens der Renovationsarbeiten hätten an Firmen in der Region vergeben werden können, sagte Wehrli in seiner Ansprache. «Das ist nicht selbstverständlich und nicht die günstigste Variante.»

 

«Polarisiert sehr»

Das Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung (Isos) «polarisiert sehr», sagte Wehrli weiter. Isos sei aber etwas sehr Wichtiges, betonte der Unternehmer. So sei es denn auch eines der Ziele des Hirschen-Ensembles, für die Wichtigkeit des Ortsbildschutzes zu sensibilisieren. In den 1970er- und 1980er-Jahren sei dieser Schutz vernachlässigt worden. Für Wehrli ist auch die Botschaft wichtig, dass nicht historische Einzelgebäude, sondern zusammengehörende Häuser – Ensembles eben – geschützt werden.

Weiter lobte Wehrli die kantonale Verwaltung. So sei der Kanton Zürich raumplanerisch vorbildlich. Und das Weinland sei der «deklarierte Erholungsraum des Kantons». Diese Rollenzuweisung sorgt in der Region erfahrungsgemäss aber für wenig Freude.

Doch der gestrige Anlass stand im Zeichen des gegenseitigen Dankens und Lobens. So sei die Zusammenarbeit mit der kantonalen Denkmalpflege ausgezeichnet gewesen, sagte Wehrli weiter. Kein Problem habe nicht gelöst werden können. Und wer als Hausbesitzer mit der Denkmalpflege zu tun habe, dem riet er, «nicht mit der Faust im Sack», sondern offen auf sie zuzugehen.


«Wir schauen selbstständig und mit viel Liebe zu unseren Liegenschaften.»

Martin Farner,

Gemeindepräsident Oberstammheim


«Denkwürdiges Projekt»

«Unglaublich gute Handwerker» hätten die Arbeiten erledigt, sagte Architekt Max Dell’Ava in seiner Ansprache. Er freue sich, dass die Häuser des Ensembles «sich jetzt mit Leben füllen». Und Beat Eberschweiler, Leiter der kantonalen Denkmalpflege, sprach von einem «denkwürdigen Projekt». Martin Farner, Gemeindepräsident von Oberstammheim und FDP-Kantonsrat, schwächte die von Wehrli hervorgehobene ­Bedeutung von Isos ab. Hier in Oberstammheim brauche man das Bundesinventar gar nicht. «Wir schauen selbstständig und mit viel Liebe zu unseren Liegenschaften.»

Der Gasthof Hirschen in Oberstammheim wurde 1684 als herrschaftlicher Landsitz für den St. Galler Klosteramtmann Johannes Wehrli erbaut. Und seit 1996 ist das Haus, das unter dem Schutz der Eidgenossenschaft steht, wieder im Besitz der Familie von Fritz Wehrli.

Tag der offenen Türim Hirschen-Ensemble an der Steigstrasse 4 in Oberstammheim. Sonntag, 7. Mai, 11 bis 17 Uhr. Freie Besichtigungaller Gebäude, Festwirtschaft,musikalische Unterhaltung, Rössliriiti und Hüpfburg. Weitere Infos: www.hirschenstammheim.ch.


04.05.2017 | Kategorie: Staatswesen, Gemeinden , Eigentum , Medien - Print 


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