Farner blickt durch.

Gemeinden wollen um ihre Post kämpfen

Der Landbote: Oberstammheim, Marthalen, Wiesendangen und Elgg zeigten sich empört über die neusten Pläne der Post. Kampflos wollen sie ihre Poststellen nicht aufgeben.

Nun ist draussen, worüber die Behörden in den Gemeinden in den letzten Jahren nur spekulieren konnten: Gestern hat die Post bekannt gegeben, welche ihrer insgesamt 142 noch existierenden Filialen im Kanton Zürich in den nächsten drei Jahren «überprüft» werden sollen. Mit anderen Worten heisst das: Es könnte sein, dass diese aus wirtschaftlichen Gründen dereinst aufgehoben werden. Ob an ihrer Stelle eine Agentur, ein Hausservice oder eine andere Lösung wie etwa eine Aufgabe- und Abholstelle tritt, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch offen. «Die Gespräche mit den Gemeinden werden erst noch stattfinden», sagte Post-Mediensprecher Markus Werner auf Anfrage.

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Die Filiale in Elgg gehört zu jenen Poststellen, die gefährdet sind. Bild: Marc Dahinden / Der Landbote

 

26 Filialen gefährdet
Kantonsweit sind insgesamt 26 Filialen gefährdet. In der Region um Winterthur müssen vier Gemeinden um ihre bangen. Es sind dies: Elgg, Wiesendangen, Marthalen und Oberstammheim. Die Reaktionen ihrer Präsidenten sind unterschiedlich.

Einige hatten gar damit gerechnet, wie etwa Christoph Ziegler in Elgg. «Wir haben der Post bereits zwei Briefe geschrieben», sagt er. Im ersten hätten sie sich nach der Zukunft ihrer Poststelle erkundigt und vorerst keine Antwort erhalten. Und im zweiten hätten sie die Gründe dargelegt, weshalb es im Landstädtchen weiterhin eine brauche. So sei Elgg etwa Hauptort im Wahlbezirk Winterthur Land. «Das ist auch für die Post ein Kriterium und würde für uns sprechen», sagt Ziegler.

In Oberstammheim trifft die Nachricht Präsident Martin Farner auch nicht völlig überraschend: «Ich habe gewusst, dass wir zu jenen Filialen gehören, die überprüft werden». Kontakt aufgenommen habe die Post mit der Gemeinde aber noch nicht. Und er werde darum kämpfen, dass die Filiale erhalten bleibe. Die Post sei nebst der Schule, einer Bäckerei und Metzgerei «ein zentrales Element» in einer Gemeinde. Zudem sei die Post in Oberstammheim auch für viele Einwohner der Thurgauer Nachbargemeinden sehr wichtig.

Überrascht zeigte sich Barbara Nägeli in Marthalen. Sie hat von den Absichten der Post via «Landbote» erfahren. «Auch wir werden unsere Filiale nicht einfach aufgeben», sagt sie. Gerade für eine Gemeindeverwaltung sei es sehr umständlich, wenn es im Ort keine Poststelle mehr gebe. Denn ein Massenversand ist in einer Agentur nicht möglich. Sie weiss, wovon sie spricht, denn sie ist Finanzchefin in Hettlingen, wo es seit Ende 2015 nur noch eine Agentur im Volg-Laden gibt. «Und in Andelfingen stehen die Leute heute schon Schlange.»

Sollten die Filialen in Oberstammheim und Marthalen dereinst wirklich aufgehoben werden, dann wird es im Zürcher Weinland nur noch in Feuerthalen und Andelfingen eine klassische Poststelle geben. Letztere sind aber auch nur bis 2020 garantiert.

Überhaupt kein Verständnis für die Pläne der Post hat Kurt Roth, Gemeindepräsident von Wiesendangen. Erst kürzlich hätten die SBB beschlossen, den Ticketschalter in der Post aufzuheben. «Und nun soll auch noch die Poststelle verschwinden?» Er sei alles andere als erfreut und stösst deshalb ins gleiche Horn: «Wir werden uns gegen eine Schliessung wehren.»

Agentur für Elsau, Rikon, Wila
Schon etwas länger bekannt ist, dass die Post in Elsau schliessen soll. Als Ersatz ist eine Agentur im Coop im Gespräch. Auch in Wila wird es ab Herbst 2018 nur noch eine Agentur im Volg-Laden an der Tösstalstrasse geben. Und in Rikon schliesst die Poststelle bereits in diesem Herbst. Danach soll in der benachbarten Volg-Filiale eine Postagentur eröffnen.


30.05.2017 | Kategorie: Verkehr, Infrastruktur , Staatswesen, Gemeinden , Medien - Print 


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