Farner blickt durch.

Keine obligatorischen Hundekurse mehr

Zeitungsartikel in der NZZ

Unter dem Eindruck von brutalen Attacken verschärfte der Kanton das Hundegesetz. Das Parlament hat diesem nun aber einen Zahn gezogen.

Der tragische Vorfall ereignete sich am Dorfrand von Oberglatt im Zürcher Unterland. Drei Kampfhunde attackierten einen 6-jährigen Knaben, der gerade auf dem Weg zur Schule war. Die Pitbull-Terrier verletzten den Jungen so schwer, dass er noch vor Ort verstarb. Zwölf Jahre ist das nun her, doch der Vorfall wirkt bis heute nach. Die Politik reagierte mit Gesetzesverschärfungen. Im Bund und in den Kantonen entstand eine grosse Vielfalt unterschiedlicher Regelungen. Der Kanton Zürich beschloss ein Hundekurs-Obligatorium sowie Rassetypen-Listen, das neue Gesetz trat Anfang 2010 in Kraft. Vom Obligatorium will der Kantonsrat nun aber nichts mehr wissen. Eine knappe Mehrheit (88 zu 84 Stimmen) hat sich am Montag dagegen ausgesprochen – nach einem munteren Schlagabtausch. Den Ausschlag gab die CVP, die sich SVP und FDP anschloss. 

«Ziel verfehlt» 
Ursprünglich war geplant, das Kurs-Obligatorium gar noch auszuweiten. Nicht mehr nur Halter von grossen und massigen Hunden hätten künftig die Kurse besuchen müssen, sondern alle Hundebesitzer. Geplant war ein Theoriekurs mit zwei Lektionen sowie eine praktische Ausbildung in sechs Lektionen. Martin Farner (fdp., Oberstammheim) ging das gegen den Strich: «Wenn jede Fifi-Halterin einen Kurs machen muss, dann ist das des Guten zu viel.» Zusammen mit Tumasch Mischol (svp., Hombrechtikon) kritisierte er die Zunahme an Bürokratie, die damit verursacht würde. Statt eines Ausbaus sei das Obligatorium komplett zu kippen, meinte Mischol, «die Beissvorfälle haben mit dem neuen Gesetz nämlich nicht abgenommen». Unterstützung erhielt er von Josef Widler (cvp., Zürich): Das Gesetz sei damals unter dem Eindruck des tragischen Falles in Oberglatt entstanden. «Es hat sein Ziel jedoch verfehlt.» Als Hausarzt sehe er zudem mehr gefährliche Katzenals Hundebisse. Aus dieser Perspektive müsste der Kanton dann auch Kurse für Katzenhalter für obligatorisch erklären. Rafael Steiner (sp., Winterthur) konterte: «Katzenbisse können zwar tatsächlich gefährlich werden, Katzen sind aber nicht so leicht zu erziehen – und sie beissen seltener.» Es sei schon erstaunlich, dass die Bürgerlichen nun die Abschaffung eines Gesetzes verlangten, das sie vor nur zehn Jahren noch gefordert hätten. Seine Parteikollegin Isabel Bartal (Zürich) sagte, dass sich der Staat bei 60 000 Hunden im Kanton nicht einfach heraushalten könne. Die Mehrheit der Halter sei zudem der Meinung, vom Kurs profitiert zu haben. «Könnten Hunde abstimmen, wären sie auch dafür.» Rico Brazerol (bdp., Horgen) tobte sich derweil mit kynologischen Metaphern aus: «FDP und SVP sind auf den Hund gekommen. Gemeinsam haben sie der CVP das Köpfchen gekrault, und schon wedelte sie mit dem Schwanz.»

Leinenpflicht durchsetzen
Astrid Furrer (fdp.,Wädenswil) plädierte für mehr Eigenverantwortung. «Ein aufgezwungener
Kurs bringt nichts. Wer widerwillig teilnimmt, lernt auch nichts.» Das wiederum hielt Esther Guyer für eine reichlich seltsame Argumentation: «Die meisten Kinder gehen auch nicht gerne in die Schule. Deshalb kommt aber noch niemand auf die Idee, die Schule für unnütz zu erklären und das Schulobligatorium abzuschaffen.» Bruno Amacker (svp., Küsnacht) fand: «Wir haben mehr als genügend Gesetze. Wenn wir zum Beispiel die Leinenpflicht durchsetzen würden, brächte das mehr für die Sicherheit.» Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger räumte ein, dass auch ein neues Gesetz, das die Kurse für alle Hundehalter obligatorisch machen würde, keine Garantie dafür biete, dass es nicht mehr zu Hundeattacken
komme. «Der Vorschlag des Regierungsrates ist aber aus Sicht des Tierschutzes und der Sicherheit zweckmässig.» Es handle sich dabei um eine sehr unkomplizierte Regelung. Davon liess sich die Mehrheit aber nicht überzeugen. Die Schlussabstimmung folgt in einigen Wochen.


16.01.2018 | Kategorie: Energie, Umwelt , Eigentum , Medien - Print 


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