Farner blickt durch.

Tiefenlager muss am sichersten Standort realisiert werden

Die Vorschläge der Nagra für die Weiterbearbeitung der Standorte Zürich Nord-Ost und Jura-Ost für ein Tiefenlager für radioaktive Abfälle hat alle überrascht. Insbesondere in Zürich Nord-Ost haben sie grosse Emotionen und Reaktionen ausgelöst. Die Vorschläge kommen zu einem Zeitpunkt, zu dem in unserer Region noch überhaupt nicht klar ist, welches die raumplanerischen, volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen sein werden. Die Diskussionen um die sozioökonomische Wirkungsstudie sind noch im Gang.

Dies  verunsichert, insbesondere auch deshalb, weil die Vorabinformation der Gemeinden völlig unzureichend war. Die federführende Behörde hat entschieden, nur gerade die beiden Gemeinden, in welchen ein aus Sicht der Region möglicher Standort für die Oberflächenanlage liegen könnte, zu informieren. In den andern Regionen mag dies in Ordnung sein, bei uns ist die Situation ein wenig anders: Das Weinland funktioniert als Region. Man ist sich anscheinend überhaupt nicht bewusst, wie ausgeprägt das Bewusstsein bei uns im Weinland für die weitreichende Ausstrahlung eines Tiefenlagers ist. Speziell zu diesem Zweck haben wir von der Gemeindepräsidentenkonferenz eine Arbeitsgruppe – das Forum Opalinus – eingesetzt, in der alle betroffenen Gemeinden vertreten sind. Diese Gruppe hätte unbedingt informiert werden müssen!
 
Wir beschäftigen uns im Bezirk Andelfingen schon mehrere Jahre mit dem Thema eines Endlagers. 
Eines ist klar: Es dürfte sich kaum jemand finden in unserem Land, der sich ein Lager für radioaktive Abfälle in seiner Region wünscht. Trotzdem müssen wir eines vor Augen halten: Die radioaktiven Abfälle existieren und müssen sicher entsorgt werden – unabhängig davon, was jeder Einzelne von uns von der Kernenergie zur Stromerzeugung hält.
 
Bei der Suche eines geeigneten Standorts für ein Tiefenlager muss die Sicherheit oberste Priorität haben. Die Sicherheitsbehörden von Bund und Kanton sind aufgefordert, für alle transparent aufzuzeigen, wie es zu den jetzt auf dem Tisch liegenden Vorschlägen gekommen ist. Der Beweis, dass die Langzeitsicherheit nach wie vor oberste Maxime ist, muss glaubwürdig erbracht werden können.
 
Der Standort, der sich schlisslich durch seine sicherheitstechnischen Kriterien empfiehlt, soll realisiert werden. Auf eine umfassende und sachliche Information sowie auf die Mitwirkung der Bevölkerung und aller Beteiligten muss dabei grösster Wert gelegt werden. Die Ängste der Bevölkerung sind ernst zu nehmen – auch wenn gewisse Fragen aus naturwissenschaftlicher Sicht keinen Sinn machen, müssen aufgenommen und umfassend beantwortet werden. Ein einfaches «das ist nicht möglich» genügt nicht.
 
Als von der Bevölkerung gewählte Behördenmitglieder stehen wir in der Verantwortung, die Interessen der Region rechtzeitig und angemessen einzubringen. Die Zusammenarbeit mit den in den vorgeschlagenen Gebieten betroffenen Gemeinden ist wichtig und muss verstärkt werden. Ein «Schwarzpeterspiel» zwischen den verbleibenden Regionen darf es nicht geben. 
 
Die sozialen und volkswirtschaftlichen Aspekte müssen weiter abgeklärt werden. Ich setze mich dafür ein, dass auch sensible Aspekte wie Image, Grundstückpreise und gesellschaftliche Auswirkungen untersucht werden. Die Grundlagen für künftige regionale Entwicklungsstrategien – falls ein Endlager kommt – sind zu schaffen. Das Monitoring und die angekündigte Gesellschaftsstudie der Kantone sind Grundlagen dafür. Noch völlig offen ist, wo die Oberflächenanlage gebaut werden soll. Diese wird eine ländliche Region wie das Weinland während der Bauzeit zweifellos mit grossen Emissionen belasten.
 
Die finanziellen Auswirkungen für unsere Randregion im Kanton Zürich müssen angeschaut werden. Der Sachplan «Geologische Tiefenlager» enthält keinerlei Aussagen darüber, ob und wie eine Region mit einem Tiefenlager entschädigt werden soll. Der Regierungsrat ist gefordert, bei den zuständigen Bundesstellen vorstellig zu werden, damit in absehbarer Zeit entsprechende Regelungen getroffen werden. 
 
Ich fordere von Bund und Kanton, dass unsere Anliegen ernst genommen werden und wir die notwendige Unterstützung erhalten. Ich betone nochmals, dass auch wir Weinlädner dort ein Tiefenlager wollen, wo es am sichersten ist – das sind wir unseren Nachkommen schuldig!


12.02.2015 | Kategorie: Energie, Umwelt 


Kommentare zu diesem Beitrag


Kommentare
Martin Farner
@Hannes Huggel: Wir werden in Bern nur ernst genommen, wenn wir in Zukunft konsequent und mit einer Stimme unsere Anliegen vertreten und unsere Bedenken zum Ausdruck bringen - diesbezüglich können wir uns noch verbessern.
04.03.2015 14:38:25

Hannes Huggel
Du hast 100% recht. Aber wie schaffen wir es, in Bern ernst genommen zu werden, wenn dies schon in Zürich bei weitem nicht überall der Fall ist? Meine Unterstützung hast du!
13.02.2015 08:04:15

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