Farner blickt durch.

Rentenalter flexibilisieren – Altersvorsorge sichern

Unsere Altersvorsorge steht auf wackligen Beinen. Wir benötigen eine Sanierung der 1. und 2. Säule, das ist unbestritten. AHV und Pensionskasse müssen für die kommenden Generationen gesichert werden – ohne die Renten zu kürzen und ohne die monatliche Belastung für Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu erhöhen. Eine herausfordernde Aufgabe.

Unsere Altersvorsorge steht vor der grössten Prüfung seit ihrer Lancierung. Die Generation der Babyboomer wird bis 2030 in Rente sein. Dieser Umstand und die Tatsache, dass die Lebenserwartung stetig steigt und damit immer mehr ältere Menschen in unserem Land leben, belastet die Rentenversicherungen bis aufs Äusserste. Als Antwort darauf hat Sozialminister Alain Berset die Reform «Altersvorsorge 2020» ins Rollen gebracht. Diese sieht vor, die erste und die zweite Säule zu sanieren.

Flexible Arbeitsmodelle ermöglichen schrittweise Pensionierung

Die FDP will ein zeitgemässes Rentensystem, das dem Einzelnen grösstmögliche Freiheit einräumt. Das bedingt, dass auch die Wirtschaft Verantwortung übernimmt und flexible Arbeitsmodelle einführt. Nur so kann jede und jeder im Alter die Arbeitszeit schrittweise reduzieren und den Austritt aus der Arbeitswelt selbstständig gestalten. Längeres Arbeiten soll sich lohnen und Teilrenten sollen eine gleitende Pensionierung ermöglichen.

Der Generationenvertrag muss wieder ins Lot gebracht werden. Einseitige Reformen sind chancenlos, weil sie entweder reine Steuererhöhungen sind oder das Rentenalter auf unrealistische Höhe heben. Jeder und jede soll seinen/ihren Teil beitragen, um die Sozialwerke zu stabilisieren.

Der Fortschritt im Gesundheitssystem hat uns eine der weltweit höchsten Lebenserwartungen ermöglicht. Dieser gesellschaftliche Gewinn verpflichtet aber auch, im „aktiven Alter“ einen Dienst für die Gesellschaft zu leisten. Dies umfasst nicht nur den Einsatz zu Gunsten der Allgemeinheit in einer Milizfunktion, sondern auch einen längeren Beitrag an der Finanzierung der Altersvorsorge. Fehlanreize zur Frühpensionierung in AHV und BVG sollen beseitigt statt ausgebaut werden. Gleichzeitig soll eine Schuldenbremse für die AHV verhindern, dass Fehlentwicklungen im Budget zu Schuldenbergen führen.

Rentenkürzungen sind ein No-Go

In anderen Ländern sind die Sozialwerke hoch verschuldet und Renten werden gekürzt. Damit werden die Schwächsten bestraft – diese Fehler dürfen wir in der Schweiz nicht wiederholen. Rentner müssen Vertrauen in die Altersvorsorge haben können und kommende Generationen Aussicht auf gerechte Renten. Deshalb kommen für mich Rentenkürzungen nicht in Frage. Um die Altersvorsorge für die Herausforderungen der Zukunft zu wappnen, müssen wir alle den Umstieg vom Berufs- ins Rentnerleben flexibel gestalten können: Die einen steigen früher aus dem Berufsleben aus, die anderen arbeiten gerne länger. Damit werden nicht bei allen Menschen zur gleichen Zeit Rentenzahlungen fällig. Damit die Flexibilisierung des Rentenalters möglich wird, brauchen ältere Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt gleich lange Spiesse, wie ihre jüngeren Kolleginnen und Kollegen. Konkret bedeutet dies, dass sich der Beitragssatz bei der Pensionskasse für Arbeitgeber nach 45 nicht mehr erhöhen darf. Zudem ist es bei der Pensionskasse wichtig, dass die jährlich ausbezahlte Rente der erhöhten Lebenserwartung angepasst wird. Das von Arbeitnehmer und Arbeitgeber in die Pensionskasse einbezahlte Geld muss im Normalfall reichen, um Rentnern die Rente bis ans Lebensende zu bezahlen. Deshalb muss der Umwandlungssatz bei der Pensionskasse angepasst werden, denn dieser hängt direkt mit der Lebenserwartung zusammen.

Beispiel: 
Ersparnis in der 2. Säule: 800‘000 Franken

Jahresrente bei einem Umwandlungssatz von 6.8 Prozent: 54‘400 CHF
--> Rentenbezugsdauer bis kein Geld mehr vorhanden ist: 14.7 Jahre (= bis ca. 80-jährig)

Jahresrente bei einem Umwandlungssatz von 6 Prozent: 48‘000 CHF
--> Rentenbezugsdauer bis keine Geld mehr vorhanden ist: 16.6 Jahre (= bis ca. 81 ½-jährig)

Die Sanierung der Altersvorsorge wird wohl oder übel nicht ganz ohne zusätzliche Einnahmen auskommen. Diese müssen jedoch moderat ausfallen und sich mit dem flexiblen Rücktrittsalter ergänzen.


13.10.2015 | Kategorie: Altersvorsorge, Sozialwerke 


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